Den Sommer 1985 prägten für uns zwei Erlebnisse der besonderen Art:
Wir machten unseren Führerschein und es fand die erste Führerfahrt des Stammes Greif statt, bei der wir unsere Fahrkünste in einem uralten VW-Bus mit Anhänger unter Beweis stellen konnten.
Klaus hatte wirklich großes Vertrauen in uns!! Aber nicht nur in uns, sondern auch in die anderen Frankreich-Entdecker Willi, Christian, Dirk, Andreas, Uli, Jürgen, Jutta und Markus und Christiane. Zusammen legten wir ca. 4000 km zurück. Unsere Tour führte uns nach Paris, nach Mont St. Michel im Norden, an die Westküste mit einem Besuch auf der Île d’Oléron mit La Rochelle, nach Nîmes und Avignon mit anschließendem Badeurlaub am Mittelmeer und schließlich versuchten wir uns auf der Ardèche im Kanufahren. An alle Einzelheiten können wir uns jetzt nach 16 Jahren natürlich nicht mehr erinnern, aber einige Details sollten nicht unerwähnt bleiben:
So warben wir z.B. am Centre Pompidou den anderen Künstlern ihre Zuschauer ab, die von unseren Gesangseinlagen so begeistert waren, dass wir Zugaben geben mussten und unser Abendessen durch die „Spenden in unseren Hut“ gesichert war. Angespornt durch diesen Erfolg gaben wir auch vor den Mauern von Mont St. Michel auf einer Klippe über dem Meer unsere Lieder vor Publikum zum Besten. Vor uns der Sonnenuntergang über dem Meer und hinter uns uralte Mauern – das war schon ein Erlebnis. Am Atlantik waren wir beeindruckt von den meterhohen Wellen – wir stürzten uns sofort in die Fluten und eroberten das Meer mit unseren LKW-Schläuchen.
Bei dem anschließenden Kulturtrip hat es uns besonders der Saxophon-Spieler in der alten Arena von Nîmes angetan, der ganz alleine dort in der Mitte stand und eigentlich nur für sich spielte. Der Höhepunkt unserer Führerfahrt war mit Sicherheit die Zeit an der Ardèche. Drei Tage wanderten wir das Tal hoch, vorbei an Steinhöhlen, in denen wir auch übernachteten, über Felsen, durch den Fluss und wieder über Felsen – nicht unbedingt ein Spaziergang. Als das Wasser knapp wurde, begingen einige von uns den Fehler, Flusswasser zu trinken, was sie dann auch bitter bereuten. Doch darauf wollen wir jetzt nicht genauer eingehen, sondern uns der anschließenden Kajakfahrt flussabwärts zuwenden. In Zweierkajaks machten wir uns an die abenteuerliche Abfahrt durch Stromschnellen und plötzlich auftauchende Hindernisse (Steine, Baumstämme, gekenterte Kajaks), die es zu umschiffen galt. Diese Manöver waren gar nicht immer so einfach, aber wir haben uns alle tapfer geschlagen.
Damit endete unsere Tour de France – es war schön, sich zu erinnern.
Erinnerungen sind niemals vollständig und jeder hat seine eigenen besonderen Erinnerungen.
So werden wir beide uns zum Beispiel in 20 Jahren noch an die Geschichte mit der französischen Bäckersfrau erinnern, bei der wir morgens unser Frühstück holen wollten. Wir fuhren zu zweit ins Dörfchen und gingen in die „Boulangerie“. Unsere Bestellung lautete „vingt quatre croissant, s’il vous plaît“. Die Bäckersfrau fragte nach: „Quatre croissant?“ „No“ antworteten wir „vingt quatre“. Sie konnte es kaum glauben; „VINGT QUATRE?“ Zum Schluss stiegen wir auf die Zeichensprache um, was uns aber auch nichts half, da keine 24 Croissants vorrätig waren.
Sabine Böser und Beate Baumann
2002 aus dem Heft zum 25 jährigen Jubiläum
